Ein Lichtstrahl fällt auf den grasbedeckten Waldboden, der sich zwischen alten, knorrigen Eichen auftut. Der Morgentau auf den einzelnen Grashalmen reflektiert das Licht wie tausend glitzernde Perlen und alles beginnt zu funkeln!
In „Lichtungen“ beschäftigt sich das JSO zum 40-jährigen Jubiläum des FURORE-Verlags Kassel nur mit Musik von Komponistinnen – Stücke, die für viele das erste Mal auf unserer musikalischen Lichtung erklingen werden. Von Emilie Mayer, einer Komponistin des 19. Jahrhunderts bis Gabriela Ortiz, die Kauyumari erst vor vier Jahren schrieb!

Programm:
Emilie Mayer – Ouvertüre in d-moll
Ruth Gipps – Klarinettenkonzert (Op. 9)
— Pause mit Getränkeverkauf —
Mel Bonis – Suite en forme de valses
Mabel Daniels – Deep Forest für Orchester (Op. 34 No. 1)
Gabriela Ortiz – Kauyumari
Oleksandr Perlovskyi – Soloklarinette
Seine musikalische Laufbahn begann Oleksandr Perlovskyi am Musikkolleg in Krywyj Rih (Ukraine), bevor er sein Studium an der Musikakademie der Stadt Kassel fortsetzte. In Kassel machte er beim Peredur-Wettbewerb auf sich aufmerksam, wo er 2024 mit dem 1. Preis und 2025 mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde.
Derzeit studiert er an der Hochschule für Musik Würzburg bei Prof. Manfred Lindner. Um sich künstlerisch stetig weiterzuentwickeln, nahm er an Meisterkursen teil und erhielt wertvolle Anregungen im Privatunterricht bei Shirley Brill und Andreas Langenbuch.


Maria Radzikhovskiy – Dirigentin
Maria Radzikhovskiy ist Dirigentin und Musikpädagogin mit einem künstlerischen Schwerpunkt im Musiktheater, sinfonischen Repertoire sowie in der Arbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern.
Seit 2022 ist sie musikalische Leiterin des Jugendsinfonieorchester Kassel.
Von 2012 bis 2021 leitete sie den Kinder-und Jugendchor CANTAMUS am Staatstheater Kassel. Unter ihrer
künstlerischen Leitung wirkte der Chor in zahlreichen Opern-, Schauspiel- und Musiktheaterproduktionen mit und wurde mit dem KULTURpunkt-Preis in der Sparte Musiktheater ausgezeichnet. Darüber hinaus war sie als Musiktheaterpädagogin sowie Leiterin des Theater-Jugendorchester-Projekts am Staatstheater Kassel tätig.
Seit 2019 unterrichtet Maria Radzikhovskiy Dirigieren und Musizierpraxis an der Musikakademie „Louis Spohr“ in Kassel. Sie ist Mitgründerin des Camerata Kassel
e. V. und Dirigentin des Orchesters Camerata Kassel. Außerdem arbeitet sie als Stimmbildnerin am
Wilhelmsgymnasium Kassel sowie im Lektorat des Verlags Furore.
In der Spielzeit 2024/25 übernahm sie die musikalische Leitung des Jugend-Theater-Orchesterprojekts Lost Violet am Luzerner Theater. Mit Produktionen wie Mad King & Medea setzt sie ihre Arbeit im internationalen
Musiktheater fort.
Die Arbeit mit jungen Menschen bildet einen besonderen
Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens. In Chor-, Orchester- und Musiktheaterprojekten begleitet Maria Radzikhovskiy junge Musikerinnen und Musiker auf ihrem künstlerischen Weg und fördert musikalische Persönlichkeit, Teamgeist und künstlerische Entwicklung.
Über die Stücke
Von Deutschland, über Großbritannien, Frankreich, die vereinigten Staaten bis nach Mexiko – überall sind sie zu finden, wenn man nur richtig sucht: Komponierende Frauen.
Und richtig gesucht, das haben wir für das diesjährige Programm mithilfe des Furore Verlags aus Kassel und sind mehr als fündig geworden. Wir beginnen das Konzert gleich mit einem Werk, das in dem seit 40 Jahren bestehenden Komponistinnen-Verlag herausgebracht wurde.
Emilie Mayer hinterließ trotz deutlich schlechterer Chancen ihren männlichen Komponisten-Kollegen gegenüber einen beachtlichen Werkkatalog. Denn Frauen war im 19. Jahrhundert, 1812 wurde die Mayer geboren, der Zugang zu einem Kompositionsstudium an einem Konservatorium verwehrt. Die Komponistin hingegen hatte das Glück privaten Unterricht zu erhalten. So konnte sie sich mit ihrem Schaffen außerhalb den damals Frauen zugedachten Kreisen der Salonmusik bewegen: Acht Sinfonien, Sieben Ouvertüren, ein Klavierkonzert und vieles mehr entstand aus ihrer Feder. 1850 wurde ihre Ouvertüre in d-Moll uraufgeführt, mit der wir heute unser Konzert eröffnen.
Die Britin Ruth Gipps, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren, schrieb ebenso zahlreiche Werke, mit denen sie eher an die vergangene romantische Musiktradition anknüpfte, als den Schritt in die Atonalität zu gehen. Unter ihren Werken findet sich ein Klarinettenkonzert, mit dem die Komponistin die Beherrschung ihres Handwerkes beweist. Auch ihre Vorliebe für die Oboe, die die Komponistin selbst spielte, hat Ruth Gipps in dieses Werk gelegt. Achten Sie auf das Zusammenspiel der Soloklarinette und ersten der Oboe im zweiten Satz des Konzertes.
“Suite en forme de valses” ursprünglich für vierhändiges Klavier geschrieben, ist ein Werk der Komponistin Mel(anie) Bonis. Sie ist, Ende des 19 Jhd. Geboren, eine der berühmtesten Komponistinnen des spätromantischen Frankreichs. Im Gegensatz zu Emilie Mayer war sie Studentin am Pariser Konservatorium, spürte aber Nachteile in Publikations- und Aufführungsmöglichkeiten gegenüber ihren männlichen Kollegen und kürzte ihren Namen auf Mel Bonis, um nicht gleich als Frau erkannt zu werden. 1898 wurden ihre Walzer das erste Mal publiziert, die jetzt im Furore Verlag verlegt sind.
Mabel Daniels schrieb mit ihrem programmatisch anmutenden Titel “Deep forest” ein impressionistisches Orchesterstück, das sich wunderbar in unsere Lichtung einreiht. Die US-Amerikanerin wurde etwas fürher als Ruth Gipps geboren, aber lebte fast genau so lange wie sie und wurde dabei 96 Jahre alt. 1939 wurde “Deep Forest” sogar in der Carnegie Hall in New York aufgeführt.
In der Gegenwart angekommen, erklingt zum Schluss “Kauyumari” von Gabriela Ortiz, 2021 uraufgeführt. “Kauyumari” bedeutet blaues Reh bei den Huichol. Die Huichol sind die Indigene Bevölkerung aus Nayalit und Jalisco in Mexiko. Das blaue Reh ist bei den Huichol eine spirituelle Kraft mit enormer Wichtigkeit, der sie einmal im Jahr folgen, um eine Art Pilger-Ritual zu vollziehen. Trance und Repetition sind dabei entscheidende Aspekte, die in der Komposition aufgegriffen werden. “Kauyumari” steht für Gabriela Ortiz für einen Neuanfang. Das Stück ist eine Art Mantra, dass die Seele heile, sagt sie.
Liebes Publikum, seien Sie sich sicher, wenn ein Neuanfang so klingt wie dieses Stück, dann kann es nur gut werden und das wünsche ich uns allen!
Über das Jugendsinfonieorchester Kassel
Das Jugendsinfonieorchester Kassel (JSO Kassel) wurde im Jahr 1969 als Beitrag zur Förderung des musikalischen Nachwuchses in Kassel und Umgebung ins Leben gerufen. Der anfängliche Impuls, junge Instrumentalisten zu einem Streichorchester zusammen zu führen, um gemeinsam zu musizieren, wurde nach kurzer Zeit erweitert und das JSO wurde ein Orchester in sinfonischer Besetzung und ein gemeinnütziger Verein, der ehrenamtlich von jungen Erwachsenen geführt wird. Das Orchester profitiert zudem von der engen Zusammenarbeit mit Musiker:innen des Staatsorchesters Kassel. Die jungen Musizierenden profitieren in den Registerproben der Arbeitsphasen vom Wissen und der Erfahrung der Profimusiker:innen. Das Orchester versteht sich als wichtiges Bindeglied und als Impulsgeber für den künstlerischen Werdegang zwischen Schulorchestern und ambitionierten Jugendorchestern wie etwa dem Landesjugendsinfonieorchester Hessen. Durch die Arbeit des Vereins werden musikalische Nachwuchstalente gefördert und eine neue Basis junger Musiker:innen an die Orchesterarbeit herangeführt.


